Das Abenteuer hat begonnen

von Markus K.

Ankunft in Lima 14.09.2017

Jetzt wird es aber Zeit – die letzten Wochen haben nicht wirklich Raum zum Schreiben gelassen und nun schreibe ich bereits vom anderen Ende der Welt.
Vor fünf Tagen sind wir nach den wohl stressigsten Wochen unseres Lebens angekommen in einem Land, das wir bis vor Kurzem noch gar nicht „auf dem Schirm hatten“. Hier ein Bild von der Ankunft in Lima. Die Dame links: Chrissi's kleinste Schwester Salome, die uns bis Januar den Start erleichtert und ohne deren Hilfe wir wahrscheinlich das Handtuch und mehr geworfen hätten (ein magerer Versuch, unseren Dank auszudrücken). Aber auch vielen anderen lieben Menschen von Familie und Freunden sind wir sehr dankbar. Wir haben viel Unterstützung in Anspruch nehmen müssen.

Ein wichtiger Abschnitt ist geschafft. Die letzten Wochen waren wir beschäftigt mit dem Sortieren unseres Lebens. Das meiste ließ sich in die üblichen Müllsorten einteilen. Mit dem Ziel, seinen Haushalt aufzulösen, stellt sich viel die Frage: „Was braucht man eigentlich wirklich?“ Teilweise schmerzhaft für Menschen mit Jäger-und-Sammler-Gen. Manchmal kam es mir vor, wie sein Erbe zu Lebzeiten zu verteilen. Aber Verschenken kann auch Spaß machen, insbesondere dann, wenn man Menschen beschenkt, die es wirklich nötig haben. Am Ende blieben die acht Koffer – OK, es sind beim Packen dann doch zehn geworden und eine üppige Menge gut austariertem Handgepäck. Ein Umzug auf vier Gepäckwagen, das Ziel zwar klar (es steht auf dem Ticket), aber dennoch irgendwie nicht so recht greifbar und unwirklich.

Hm, wo soll ich anfangen mit Schreiben – es ist eine Menge passiert. Ich vermute, es wird mir kaum möglich sein, alles aufzuschreiben, was uns die letzten Wochen widerfahren ist. Ich beginne mal so mit wenig Anspruch auf Vollständigkeit:

In den letzten Wochen haben wir erstaunlichste Erfahrungen gemacht – ebenso wie die Johns, die vor über zehn Jahren alles auf's Spiel gesetzt haben, um ein Hospital inmitten der Anden ins Leben zu rufen. Auch wir stehen an manchen Stellen etwas ratlos da, wenn wir versuchen sollten, alle Begebenheiten zu erklären – es gibt nicht immer eine logische Erklärung. Die Basis für das, was wir gerade erleben, ist nicht wirklich logisch. Wir glauben an etwas, das wir nicht sehen und es ist höchst lebendig, wie wir zunehmend feststellen müssen.

Vor ziemlich genau einem Jahr wurden wir durch verschiedene Begebenheiten darauf aufmerksam, dass unser gemütliches Deutschland nicht für immer unser Zuhause sein soll. Einige Ereignisse später waren wir bereit, tiefgreifende Schritte zu gehen, denn wir haben gesehen, was alles möglich ist im Vertrauen auf einen keineswegs untätigen Gott. Zu anderer Gelegenheit mehr. Das würde jetzt den Rahmen sprengen. Kurz zusammengefasst: Wir haben unsere Jobs an den Nagel gehängt, unser Haus vermietet und sind nur wenige Monate später durch Spenden finanziert in ein neues Leben gestartet. Klingt verrückt, ist es auch. Und es ist keinesfalls unser Verdienst, dass dieser schräge Plan aufgegangen ist. Noch nicht einmal der Plan ist unserer. Aber das soll nicht so klingen, als wären wir hier in den falschen Bus gestiegen, ganz im Gegenteil: Wir stehen staunend daneben und sind sehr glücklich bis beschämt, wie viel uns in die Hände spielt, wie sehr alles nach wie vor von höherer Stelle geplant wirkt.

Vor einer Woche haben wir unser Haus leer bekommen, sind von zwei lieben Freunden zum Flughafen München gefahren worden und über Madrid nach Lima geflogen. In Lima haben wir einige Tage im Hospital-eigenen Gästehaus verbracht und Behördengänge wegen unserem Visum erledigt. Stefanie kam vom Hospital, hat uns begleitet und war die Übersetzerin. Jose vom Gästehaus hat uns mit üppigem Frühstück versorgt. Am Samstag sind wir nach Cusco geflogen und wurden hier von Alexandra (ehemals Diospi Suyana Mitarbeiterin, nun im Gemeindeaufbau in Cusco) empfangen. Sie ist uns eine große Hilfe, insbesondere bei dem Gespräch mit der Vermieterin. Es ist nicht so einfach, wenn man auf die Straße geht und kein Wort versteht. Englisch ist hier so etwas wie Hindi in Deutschland, man findet im Regelfall niemand, der es spricht. Alle Beteiligten haben aber im Regelfall viel Spaß, wenn wir mit Händen, Füßen und den wenigen Worten Spanisch, die wir inzwischen können, versuchen zu erklären, was wir wollen. Zum Glück gibt‘s ein Handy mit Wörterbuch und Navi.

Seit gestern sind die Jungs im Kindergarten. Sie haben Uniformen, wie alle Kindergarten- und Schulkinder hier und wollten die den ganzen Tag lang nicht mehr ausziehen. Auch das Abholen war schwierig, denn sie wollten eigentlich da bleiben. Eben haben sie mir erzählt, dass ihr Plan ist, allen Kindern und Mitarbeitern Deutsch beizubringen, damit sie nicht so viel Spanisch lernen müssen. Wenn wir der Geschichte Glauben schenken sollen, haben sie gestern ein deutsches Kinderlied mit allen eingeübt und alle peruanischen kleinen und großen haben mitgemacht.

Wir sind der Erstbezug einer größeren Wohnung dicht am Zentrum von Cusco. Wir sind sehr dankbar darüber. Es gibt drei Schlafzimmer und ein extra Spielzimmer. Wir lernen nach und nach, wie das Leben hier funktioniert. In Kürze berichten wir da mal noch ausführlicher über die Gegebenheiten hier. In zwei Stunden geht die Sprachschule für Chrissi und mich los. Wir sind gespannt, wie das wird.

Dankbar sind wir für die vielen Spender, die sich an diesem Projekt beteiligen. Wir freuen uns, bald in Curahuasi am Hospital durchstarten zu können, Menschen zu helfen, die es bitter nötig haben. Es ist ein besonderes Vorrecht, so einen Dienst tun zu dürfen.

Und noch ein Dank an Klaus John für seinen Artikel über unsere Ankunft im Diospi Suyana Blog. Der Mann ist wie immer etwas früher aufgestanden, als wir

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