… und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

von Chrissi K.

Dankbar in allen Dingen

Bild: "Dankbar in allen Dingen", mit freundlicher Genehmigung von Segensart

Nein, es ist nicht immer nur Sonnenschein bei uns. Und wir stecken gewiss auch gerade nicht in einem „Hoch“ unseres Lebens. Aber doch fällt mir, wenn ich etwas berichten soll oder darf, meistens zuerst das Gute ein!

Ich zähle hier mal ein paar Dinge auf.

Johannes und Emanuel

Die beiden Jungs haben ziemlich schnell wieder zurück gefunden in ihre alte Umgebung. Es war ohne Schwierigkeiten möglich, dass Emanuel zurück in seinen Kindergarten und dort sogar in seine Gruppe gehen konnte. Am ersten Tag kamen wir rein, er hängte seine Jacke an „seinen“ Haken und war wie der Wind in der Bauecke. Es war wie ein „Nach-Hause-kommen“. Ich stand wirklich gerührt und glücklich daneben. Allerdings merken wir, dass er ganz schön zu kämpfen hat mit meiner Erkrankung, die er ja noch nicht mal im Ansatz verstehen kann.

Johannes war ja bis zu unserer Rückkehr noch nicht eingeschult worden, da in Peru die Schule erst im März beginnt. Also musste er in die erste Klasse quereinsteigen. Aber auch das wurde ohne Probleme eingerichtet. Aus der Klasse, in die er jetzt geht, kannte er die meisten Kinder schon aus seinem Kindergarten. In den Schulalltag fand er sich gut ein und geht jetzt (an den meisten Tagen) gerne dort hin. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar!

„Unser“ Haus

Wo wohnen wir jetzt eigentlich? Diese Geschichte ist wirklich wunderbar.

Eines der Dinge, die uns noch in Cusco am meisten Kopfzerbrechen bereiteten, war die Frage, wo wir in Deutschland vorübergehend wohnen könnten. Unser eigenes Haus haben wir ja an Flüchtlinge vermietet. Auf gar keinen Fall wollten wir das auflösen - aus mehreren Gründen. Es war uns aber äußerst wichtig, so nah wie möglich an unsere alte Heimat zurückzukehren, damit die Jungs ins Vertraute kommen (siehe oben). Wir fanden, dass noch ein Wechsel in der kurzen Zeit übermäßig viel Belastung für die beiden sein könnte.

Ich weiß noch genau, dass ich dort in Cusco nachts wachlag und dachte „Woher soll Gott ein Haus auftreiben, am liebsten im eigenen Dorf, außerdem möbliert, möglichst mit Garten für die Jungs und vor allem bezahlbar??“ Ich war geneigt, zu denken, dass das Gott nun an seine Grenzen bringen könnte. (Wieso nur? Kleinglaube…)

Wir nahmen dann Kontakt zu einem Ferienwohnungs-Besitzer auf und arrangierten, dass wir dort ankommen könnten. Aber auf lange Sicht gesehen war uns klar, dass diese Wohnung zu klein für uns vier war.

Ganz kurz vor unserer Rückkehr berichtete der Pfarrer unseres Dorfes in einer kleinen Runde von unserer Lage und bat um Gebet für uns, vor allem für eine Wohnmöglichkeit. Einer der Anwesenden hatte eine Tante gehabt, die wenige Tage zuvor verstorben war. Sie war eine Pfarrerswitwe gewesen und hatte ein Haus im Nachbarort besessen und bewohnt. Dieser Mann ging dann auf den Pfarrer zu, besprach sich außerdem mit weiteren Verwandten und binnen Kurzem entschloss sich die Familie, uns anzubieten in dem voll ausgestatteten Haus wohnen zu können.

Ich persönlich konnte meinen Augen kaum glauben, als wir das Haus das erste Mal anschauten. Viereinhalb große Zimmer, ein großer Tageslichtkeller mit Garage im Haus, ein wirklich großer Garten. Alles Nötige in Haushalt und Küche vorhanden, vom Handtuch über Teller, Tassen und Gläser sogar bis hin zu Schuhcreme, Streichhölzern, Rasenmäher und einem Klavier (zu Markus‘ großer Freude, der bisher noch nie ein akustisches Klavier besaß!)

Das einzige „Häkchen“ an der Sache war die Lage im Nachbarort, das macht das tägliche Fahren zu Schule und Kindergarten erforderlich. Aber gemessen an dem, was wir hier haben, ist das wirklich nur ein kleines Manko.

Wir sprachen mit dem Vermieter, erzählten nochmal unsere Geschichte und er bot uns einen wirklich günstigen Mietpreis an. Quasi binnen Stunden konnten wir mit unserem Berg von Koffern hier einziehen. Natürlich ist Gott NICHTS unmöglich!

Bekannte hatten bei anderen Bekannten ein Stockbett im Keller gesehen, das auf Nachfrage niemand brauchte und uns geschenkt wurde, auf einer Kleinanzeigen-Seite waren günstige Schlafzimmermöbel zu finden, die liebe Freunde mit dem Anhänger abholten und sogar aufbauten. Eine liebe Frau aus unserem Ort, selbst Missionarin, versorgt uns immer wieder mit selbstgemachten Köstlichkeiten wie Hefezopf oder Maultaschen und auch die Jungs betreut sie immer mal wieder gerne für uns.

Wenn Hilfe nötig war, konnten wir sie in Anspruch nehmen. (z.B.Transporte, den Kindern gut tun, Besuche, Versorgung mit Essen, Trost, …) An der Stelle sei jedem ein großes Danke, der uns auf irgendeine Weise in den letzten Wochen geholfen hat. Das war für uns von unschätzbarem Wert und es ist unmöglich, alles aufzuzählen!

Noch ein Geschenk

Nachdem ich in den Osterferien krank wurde und die kompletten Ferien davon bestimmt waren, hatten wir gehofft, in den Pfingstferien ein paar Tage Urlaub machen zu können. Erstmal ohne eine Idee, wohin es gehen könnte. Es sollte nicht so weit weg sein und es muss ein Krankenhaus in der Nähe sein (für den Fall einer Infektion bei mir o.ä.).

Kurz vor den Ferien bekam ich eine Nachricht von einer lieben Freundin. Sie schrieb mir, dass Ihre Familie eine Ferienwohnung in der Nähe von Ravensburg hat und uns anbieten wollte, dass wir dort ein paar Tage verbringen können – umsonst. Wow! Was für ein tolles Geschenk! Auf Nachfrage war die Wohnung auch genau in dem von uns gedachten Zeitraum frei. So konnten wir für eine wunderschöne Woche in die Nähe vom Bodensee fahren.

Solche Dinge gehen für mich weit über das „überlebensnotwendige“ Maß hinaus und zeigen mir, wie weitreichend wir beschenkt sind! Gottes Versorgung hört eben nicht bei dem versprochenen „sorgt euch nicht um Nahrung und Kleidung“ auf, sondern ist großzügig und allumfassend.

Meine Therapie

Ich habe jetzt über die Hälfte der Chemotherapien überstanden. Es war wahrlich nicht immer einfach, aber ich bin so froh, dass Gott mir gut durchgeholfen hat und dass fünf von acht Infusionen vorbei sind. Nach den ersten vier Infusionen wurde das Mittel gewechselt (nach Plan). Angeblich ist das zweite Mittel vom Gesamtzustand besser verträglich, kann allerdings die feinen Nervenenden in den Händen und Füßen und die des Geschmackssinnes schädigen. Und das unter Umständen auch dauerhaft. Wir beten vor jeder Infusion darum, dass diese nur dort wirkt, wo sie soll und dass ich vor größeren Schäden bewahrt bleibe. Aktuell gibt es etwas Probleme mit dem blutbildenden System, daher musste die Therapie jetzt auf wöchentlich umgestellt werden. Die große Dosis, die ich bisher alle 3 Wochen bekam, wird jetzt in kleineren Dosen wöchentlich verabreicht. Man hofft, dass dieser Weg das Blutbild weniger schädigt.

Noch 8x wöchentlich Chemo, das sieht für uns schon noch nach einem steilen Berg aus…

Markus kann ja hier zu Hause bleiben und unsere Haushaltshilfe sein. Auch da sind wir dankbar für diese gute Lösung. Gemeinsam haben wir festgestellt, dass trotz allem diese Zeit, die wir gerade gemeinsam als Familie haben dürfen, ein Segen und ein Geschenk ist. Die Jungs haben ihren Papa um sich und ich meinen Mann hier bei mir. Wir nehmen uns momentan viel Zeit für die Kinder, die auch nicht wirklich weniger Durcheinander abbekommen haben als wir.

Wir merken aber auch, dass verschiedene Bereiche unseres Lebens immer wieder angegriffen sind. Es ist unser täglicher Kampf und unser Gebet, uns als Familie die Freude nicht rauben zu lassen, unsere Kinder nicht in Mitleidenschaft gezogen zu wissen und uns die guten Gedanken und unseren Glauben nicht nehmen zu lassen.

Obwohl wir es schon oft geschrieben haben, werden wir es immer wieder wiederholen:
Danke für jedes einzelne eurer Gebete. Wir sind überzeugt davon, dass eure Gebete uns mit durchtragen. Ganz konkret sind wir dankbar für Gottes großartige Versorgung in allen Belangen, für das Ende der ersten Therapie-Hälfte und das gute Überstehen. Wir beten um Bewahrung vor Schäden durch die Chemo-Substanzen, um gutes Durchhalten der noch vor uns liegenden Chemo-Wochen und um ein Rundum-Behütet-Sein unserer Familie vor „Räubern“ der Freude, des Friedens, des Optimismus und des Glaubens.

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