Warm anziehen

von Markus K.

Mona Lisa mit Mundschutz
Seit Freitag: Mundschutz-Pflicht für alle

Irgendwie kommt es mir vor, als müsste ich mich entschuldigen, wenn wir über unsere Situation mit dem aktuell buchstäblich viral gehenden Thema schreiben. Wenn ich ehrlich bin, nervt mich das Thema, aber ich kann es kaum ändern.
Seit Wochen kämpfen auch wir mit immer neuen Umstellungen, sowohl im Projekt als auch privat. Die Schule ist schon seit Wochen geschlossen, Chrissi und die Jungs gewöhnen sich nach und nach ans Homeschooling. Die zweiwöchige Quarantäne ist um weitere zwei Wochen verlängert worden, seit Freitag hat der Präsident die Mundschutz-Pflicht ausgerufen, sobald man das Haus verlässt. Aktuell gelten strikte Ausgangssperren: Wege zur Arbeit nur mit einer digital zu erstellenden, 48 h gültigen Erlaubnis, Einkaufen nur noch bis 13 Uhr: Männer und Frauen tageweise abwechselnd, Sonntag bleiben alle zu Hause. Regeln wurden erlassen, die bei Verstoß eine Inhaftierung ermöglichen.

Nur Banken, Apotheken und Geschäfte mit Lebensmitteln haben offen. Fahrer dürfen nur mit spezieller Lizenz Personen, Lebensmittel und Material für medizinische Versorgung transportieren.
Natürlich ist auch das Hospital Diospi Suyana geöffnet, jedoch mit wesentlich weniger Andrang als sonst. Die Menschen sind in ihrer Bewegung sehr eingeschränkt und so kommen nur wenige Patienten zu uns durch. Einige Mitarbeiter sammeln derzeit Minusstunden, die anderen treffen Vorbereitungen und planen für den Ernstfall. Bislang haben wir im Hospital noch keinen COVID-19-Fall. Was uns erwartet, wissen wir nicht.

Schwerwiegende Entscheidung

Seit einigen Wochen quält uns die Frage, wie wir uns wohl verhalten sollen. Kann es gefährlich werden, wenn wir bleiben? In diesen Tagen werden die verbliebenen zwei-, dreitausend Deutsche, die aus dem Land wollten über besonders organisierte Flüge zurückgebracht. Unsere sechs IJFDler wollten zwar nicht, aber die Behörde hat sie angewiesen, das Land zu verlassen.

Auch werden wir natürlich hier im Projekt dringend gebraucht, weil wir zu diesem Dienst explizit hierher gesandt und berufen sind.
Im Besonderen meine Abteilung ist eine Schlüssel-Position für das medizinische Angebot, das wir hier zur Verfügung stellen. Wir überlegen an verschiedenen Invers-Quarantäne-Maßnahmen herum, damit ich weiter arbeiten kann und meine Familie geschützt bleibt.

Nicht zuletzt sind da noch unsere peruanischen Kollegen, die uns mehr und mehr zu Freunden, Mitstreitern und auch geistlich zu Geschwistern werden.

Mir persönlich brennt dieses dunkelrote Heft mit goldenen deutschen Lettern in der Tasche und der Gedanke, etwas „Besseres“ zu sein, stört mich. Es wäre ein Stück weit feige, ein Register zu ziehen, dass diesen Menschen hier nicht zur Verfügung steht.

Vor ein paar Tagen sind wir über diese zwei Zitate gestolpert:

Ein Abenteuer ist eine Krise, zu der man 'Ja' gesagt hat.

Bertrand Piccard

Mut ist nicht das Gegenteil von Angst, sondern der Widerstand dagegen.

Mark Twain

Unterm Strich geht es offensichtlich schon wieder um unser Thema „Vertrauen“, das auch immer wieder neu mutiert. Wir vertrauen darauf, hier am richtigen Ort zu sein, wenn der letzte Zug abgefahren, der letzte Rückflug abgehoben ist.

Keine COVID-19-Leichen im Aufzug

Entschuldigung, wenn ich dich schockiere, aber das ist ein Satz, der mir in dieser Woche begegnet ist. Wir müssen uns hier leider über Dinge Gedanken machen, die uns nicht sonderlich ermutigen, aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns für den Fall vorzubereiten.

Der ewige Sommer vor unseren Fenstern sieht nach wie vor idyllisch angenehm aus und spiegelt nicht im Geringsten wider, was derzeit im Land passiert. Kollegen aus dem Team erreichen verzweifelte Statusmeldungen aus den Nachbarorten über leere Kühlschränke und fehlende Mittel – hier wird gerade ein ganz neuer Nebenschauplatz unserer Arbeit formiert.

Stolze 140 Nanometer

Mich beeindruckt, wie die Welt zunächst hilflos einem sich selbst raub-kopierenden Ball von <140 Nanometer Durchmesser gegenübersteht. Darauf könnte es ganz schön stolz sein, denn wie lächerlich scheinen die großen Errungenschaften unserer Zeit dem gegenüber. Gesundheitlich, ökonomisch und politisch kommen wir an unsere Grenzen.

Ich merke, wie ich etwas beständiges suche, das sich nicht im Notfallmodus oder Ausnahmezustand befindet. Und da bin ich sicher nicht der einzige. Es ist die Zeit, in der wir durch unseren Glauben Hoffnung bekommen und einen Ort finden, an dem wir unsere Unsicherheit und Angst abladen können. Denn weder der Glaube noch sein „Frontmann“ haben sich verändert.

Jesus Christus ist ja immer derselbe – gestern, heute und in alle Ewigkeit.

Hebräer 13,8 – Die Bibel (NeÜ)

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